Hofer Filmtage / Mehr Eindrücke

Zweiter Tag in Hof. Wir versuchten es heute zum Start mit zwei unterschiedlichen Filmen, die parallel liefen. Zum einen stellte der deutsche Regisseur Sebastian Petersen seinen Spielfilm „Meier Müller Schmidt“ vor, der zwar etwas unentschlossen zwischen dem Porträt einer Berliner Männer-Wohngemeinschaft und einer komplizierten Liebesgeschichte hin und her springt, aber auch drei sympathische Hauptdarsteller und einen bemerkenswerten Soundtrack bietet. Dem vorangestellt lief der Stop Motion Kurzfilm „B.“, ein spannend gruseliger Barbiealptraum von Kai Stänicke, der durch eine prägnante Rahmenhandlung in der realen Welt eine interessante Tiefe erhält.

Der Kurzfilm „Lost and Found“ zeigte in gut komponierten Bildern die recht einfache Geschichte zweier Männer, die sich am Talliner Flughafen in Estland durch eine Schneesturmbedingte Verzögerung am Vorweihnachtsabend, ihrer eigentlichen privaten wie beruflichen Bestimmung bewusst werden.

Dieser Kurzfilm zeichnet sich nicht nur durch die überaus gelungene schauspielerische Leistung der beiden Protagonisten aus. Vor allem das gute Timing im Schnitt und die durchwegs überzeugenden Kameraeinstellungen geben dem Erstlingswerk von Claudia Seibl eine beeindruckende Professionalität. Dieses  Team gilt es weiter zu beobachten! Der Kurzfilm gehört zu Alex’ persönlichen Highlights der Hofer Filmtage.

plastic

Alex mit Jerry Barrish

„Plastic Man“ zeigt in einer Dokumentation das Leben und Schaffen des Künstlers Jerry Ross Barrish. So fremd und unsympathisch seine Kunststoff-Plastiken zu Beginn wirken, umso mehr entdeckt man nach und nach das Besondere seiner Skulpturen über das auch diverse Interviewpartner in der Dokumentation berichten. Barrish hat es mit seiner künstlerischen Arbeit nie zum Mainstream-Erfolg geschafft. Die trotzdem vorhandene ungebrochene kreative Motivation macht die gezeigten Momente nur noch ehrlicher.

Oft unnötige Redundanzen im Schaffungsprozess geben dem Film leider eine vermeidbare Länge. Man hatte den Eindruck als hätte sich Regisseur William Farley nur schwer von seinem eingefangenen Material trennen wollen. Ansonsten ein interessanter Einblick für alle Nicht-Öko-Aktivisten.

Im Anschluss an diesen abwechslungsreichen Vormittag widmeten wir uns zwei Werken aus der Retrospektive von Christopher Petit. „Weather“ und „London Labyrinth“, zwei Auftragsdokumentationen für das britische Fernsehen. Leider wirken diese patchworkartigen Zusammenschnitte und weit gefassten Assoziationen verstaubt und wenig spannend.

Umso mitreißender kam dagegen die Dokumentation „For my Sisters“ von Regisseur Stephanus Domanig daher. Eine in Wien lebende Afroamerikanerin begibt sich auf Spurensuche, was ihre Herkunft betrifft. Historie und Musikgeschichte werden geschickt miteinander verwoben und so untermalen Highlights unterschiedlichster Jazzlegenden den improvisierten Trip in die Vergangenheit der Protagonistin Carole Alston, die im Kino anwesend, nach dem Film noch einmal live singend für Gänsehaut sorgte.

Den krönenden Abschluss sollte „Angry Indian Goddesses“ bilden. Der Film erzählt die Geschichte einer jungen Inderin, die ihre besten Freundinnen einlädt, in ihre bevorstehende Hochzeit rein zu feiern. Das dieser Bund fürs Leben nicht ganz den Normen der indischen Gesellschaft entspricht, ist nur eines von vielen Problematik seines Landes, die Regisseur Pan Nalin in seinem Film thematisiert. Zu viele Themen, viel zu viele Auflösungen und eine auffallend unpassende Synchronisation ließen die wütenden Göttinnen dann leider zur Enttäuschung dieses Tages werden.

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